Heidi Brühl - Ein Portrait von Chicago Schlager Music Review

 
Heidi Brühl: Multitalentierte deutsche Schönheit. Von München nach Hollywood und zurück
 
von Tom Faber – CSMR Editor
 
CHICAGO, USA – Eine wirklich multitalentierte deutsche Schönheit. Heidi Brühl  war ein großer Star der Leinwand, der Bühne und des Aufnahmestudios im Deutschland der 50er und 60er Jahre. Sie war eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die sich nach Hollywood aufmachte  –   wenn auch nur für eine Tasse
Kaffee – im Vergleich zu den viel erfolgreicheren langjährigen deutschen Koryphäen Marlene Dietrich und Hildegard Knef, die dort fußfassten.
 
Sie wurde im Januar 1942 in München in mitten des vom Krieg zerrissenen Deutschland geboren. Bald darauf zog ihre Familie nach nahe gelegenen Gräfelfing, wo ihr Vater als Bürgermeister tätig war.
 
Als junges Mädchen zeigte sie eine frühe Begabung für Performance, und bereits im zarten Alter von fünf Jahren erhielt sie Ballett-Unterricht.
 
Die Vermittlungskontakte ihres Vaters ermöglichten Heidi Brühl den Einstieg ins Showgeschäft. Filmproduzent Harald Braun besetzte sie im Jahre 1955 für den deutschen Film "Die Mädels vom Immenhof". Es war ein riesiger Kassenerfolg und es folgten zwei Fortsetzungen, beide mit Heidi in der Hauptrolle.
 
Infolge dieses neu gewonnenen Ruhms unterschrieb sie im Jahr 1959 auch einen Plattenvertrag mit dem Label Philips.
 
Als Musikerin wurde sie das deutsche Aushängeschild für eine eher abgeschwächte, American-Stil-Teenie-Pop-Musik in den späten 50er und frühen 60er Jahren. Ab Mitte der 60er war Brühl die kontinentale Vorreiterin des Carnaby-Street-Go-Go-Girl-Sounds.
 
Alles in allem hatte sie eine ununterbrochene Reihe von deutschen Popmusik-Erfolgen, die sich von 1959 bis 1967 zog.
 
Ihre erste Single, "Chico Chico Charlie" wurde im August 1959 veröffentlicht und erreichte Platz 5 in den deutschen Pop-Charts. Gefolgt von mehreren erfolgreichen Gesangswerken während der folgenden Monate. Einschließlich "Wir werden uns finden" und "Mister Love".
 
Ihr größter Hit - und einziger Chartstürmer - war "Wir Wollen Niemals auseinandergehn", ein Lied, das sie 1960 in der deutschen Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest interpretierte. Obwohl sie den zweiten Platz belegte, erzielte sie einen viel größeren Erfolg mit diesem Lied, als der deutsche ESC- Teilnehmer. Sie genoss eine acht Wochen Platzierung auf Platz 1 der (deutschen) Charts.
 
Letztendlich vertrat sie Deutschland  drei Jahre später tatsächlich beim ESC mit der Interpretation des vergnügt munteren Liedes "Marcel" im französischen Stil, mit dem sie jedoch einen enttäuschenden 9. Platz belegte, obwohl das Lied es in die deutschen Pop-Charts schaffte.
 
Im September 1963 hat Brühl ihr Bühnendebüt in dem Musical  Annie Get Your Gun, sie erlangte großen Erfolg in der Titelrolle.
 
Musicals waren selten in Deutschland zu dieser Zeit und Heidi Brühl hat einen nicht unwesendlichen Anteil daran, dass dieses Genre in der deutschen Öffentlichkeit bekannt wurde. Sie spielte später die Rolle der Eliza Doolittle in der deutschen Version von George Bernard Shaws My Fair Lady.
 
Im Jahr 1964 traf und heiratete Heidi Brühl Brett Halsey, einen US-amerikanischen B-Filmschauspieler und lebte mit ihm eine Zeit lang  in Rom. Sie hatten zwei Kinder, beide in Rom geboren. Clayton 1967 (der heute amerikanischer Staatsbürger ist und an der Westküste lebt) und Nicole, geboren 1970 (die heute eine prominente Tierschützerin in Bayern ist). Die Ehe wurde 1976 geschieden.
 
 
Dann 1966 begann Brühl  ihren Flirt mit Cover-Versionen erfolgreicher amerikanischer und britischer Pop-Hits. Sie hatte ihren ersten Erfolg seit "Marcel" von 1963, mit "Hundert Mann und ein Befehl", einer eingedeutschten Version der Pro-Vietnamkrieg-Hymne  "The Ballad of the Green Berets". des amerikanischen Staff Sergeant Barry Sadler. Das höchst martialisch klingende Lied belegte im April dieses Jahres Platz 8 der deutschen Charts und hat ihre Aufnahmenkarriere wiederbelebt.
 
Ihr 67er Album-Release, "Meine Welt", komplettierte ihren Wechsel in Richtung Cover Versionen anglo-amerikanischen Hits. Ihre ausgekoppelte Single war ein Cover des Songs "99,6" des aus Philadalphia stammenden One-Hit-Wonders "Keith",  den Brühl als "Hab Keine Angst vor Morgen" veröffentlicht hat. "Keith" bekam dafür eine Goldene Schallplatte, die sich 14 Wochen lang in den US Charts hielt. Der Song fand bei deutschen Zuhörern wenig Resonanz.
 
Ihre Aufnahme Karriere war etwas ins Stocken geraten.  Im Jahre 1970, machte sie einen mutigen Schritt von Rom in die USA und es hat sich gelohnt, indem sie ein einjähriges Engagement als musikalischer Headliner des Dunes Hotel in Las Vegas erhielt.
 
Sie wagte sich ein paar Meilen westlich nach Hollywood, hier  erhielt die erfahrene deutsche Schauspielerin eine Rolle in einer Episode der zweiten Staffel der NBC-Fernsehserie "Columbo". (Die langlaufende  Mystery-Crime-Serie mit Peter Falk rangiert bei TV Guide in den Top 60 der besten Serien aller Zeiten.
 
Allerdings wurde Heidi Brühl dann einer der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die sich auf die große Leinwand nach Hollywood aufmachte. Sie wurde in einer Mittelklasse-Rolle als kokette Mrs. Montaigne in der sehr erfolgreichen Verfilmung "The Eiger Sanction" (deutscher Titel: "Im Auftrag des Drachen") von 1975 nach dem Bestseller-Roman von Trevanian neben Clint Eastwood besetzt.
 
Aber das wäre  es dann auch mit der amerikanische Karriere von Heidi Brühl, bis auf eine ungewöhnliche Entscheidung,  die sie  vielleicht getroffen hat, um neues Interesse zu wecken – sie posierte nackt in der Zeitschrift "Playboy". Später wiederholte sie diese Fotoveröffentlichung in der deutschen Ausgabe des gehobenen Soft-Porno-Magazines "High Society".
 
Im Laufe ihrer späteren Karriere, hatte Heidi Brühl, ähnlich wie Shirley Temple und Judy Garland in den USA, schwer zu tragen an der populären Vorstellung von ihr als junger, unschuldige Kinderstar aus den sehr beliebten Immenhof-Filmen. Sie könnte diesen Imagewechsel unternommen haben, um dieses Bild zu widerlegen.
 
Im Jahr 1977 kehrte sie nach Deutschland zurück und 1981 versuchte sie vergeblich ein musikalisches Comeback mit der englischsprachigen Single: "You Are a Part of My Heart".
 
Heidi Brühl starb auf tragische Weise in Starnberg im Jahr 1991 im sehr jungen Alter von 49, während einer Operation mit der man ihr Brustkrebsleiden zu lindern versuchte.
 
Sie wird von vielen deutschen jener Zeit als äußerst talentiert, auffallend schöne, zentrale Kraft in der Entwicklung der deutscher Popkultur der Nachkriegszeit in bester Erinnerung behalten.
 
 

©  Deutsche Übersetzung by heidibruehl-fanseite.de